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Illustration Frau / Madame / Signora

«Danach konnte ich die Dinge anders sehen»

von Martin Müller*

Ich hatte seit rund 20 Jahren ein Glaukom und besuchte den Augenarzt zwei Mal pro Jahr. Eines Tages kam ich vom Einkaufen zurück und sah, dass die Balkone der Gebäude rund um mich einstürzten. Da es kalt war, dachte ich mir, dass mein Sehnerv wohl aufgrund der Kälte entzündet sei und deshalb verrückt spielte. Aber zurück in der Wohnung sah ich immer noch alles einstürzen. Ich rief darauf denn diensthabenden Augenarzt an, der mich sofort in die Augenklinik Jules-Gonin schickte. Den ganzen Tag durchlief ich Tests und konnte am Schluss meine Augen nicht mehr öffnen. Der Chef der Klinik kam schliesslich zu mir und sagte mir, dass man nichts mehr machen könne. Ich hatte eine AMD: Eine - gelinde gesagt - brutale Diagnose!

Danach wurde ich von einem jungen Augenarzt betreut. Sämtliche Besuche dauerten nur 5 Minuten und das belastete mich allmählich. Ich wusste nicht, an wen ich mich wenden sollte. Nach mehreren Versuchen, telefonisch oder über diverse Organisationen etwas zu erreichen, ging ich zur IV, wo man mich äusserst nett empfangen hat. Dort gab man mir die Adresse einer auf Low-Vision spezialisierten Ergotherapeutin, die mich mehrere Male bei mir zu Hause besuchte. Danach konnte ich die Dinge anders sehen. Die Ergotherapeutin kommt nun seit 8 Jahren 2 bis 3 Mal jährlich zu mir, um mir Ratschläge zu geben. Heute verwende ich draussen und zum Fernsehen Filtergläser, ich habe ein Telefon mit grossen Tasten, einen Taschenscanner, eine sprechende Uhr, eine starke Beleuchtung auf meinem Tisch, ein Lesegerät, um meine Post zu lesen, selbst wenn sich die Buchstaben wegen meiner Krankheit nach einer Weile vermischen. All diese Hilfsmittel haben mich buchstäblich gerettet!

*Name von der Redaktion geändert, die betroffene Person möchte anonym bleiben

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